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AKF - Jubiläumsreise nach Davos   

12.08.2016

Auf den Spuren des Lungensanatoriums Sanitas

80 Frauen reisen zum 100-jährigen Jubiläum zum Zauberberg nach Davos.

Jubiläumsreise - 20. AKF-Frauenpreis
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Von Heilen und Sterben mit Happy End. Eine Aargauer- und Frauengeschichte.

 Wenn 80 Frauen vom Aargauischen Katholischen Frauenbund (AKF) ein 100-jähriges Jubiläum feiern und dafür nach Davos reisen, hat das sehr viel mit einer Frauen- und mit Aargauer-Geschichte zu tun. Es ist eine Geschichte von Kranksein und Gesunden.

 

Vor 100 Jahren raffte die Tuberkulose im Tal ganze Familien hin. Man stand dieser Krankheit machtlos gegenüber. Hoffnung gab es wenig, vor allem für die ärmere Bevölkerung.

In den aargauischen Kliniken beklagten sich Patientinnen und Patienten über mangelnde religiöse Betreuung. Verhandlungen des Frauenbundes mit der Klinikleitungen brachten keinen Erfolg.

So wandten sich zwei initiative AKF-Frauen, Frau Winistörfer aus Hägglingen und Fräulein Meier aus Bremgarten, 1915 an katholische Kreise anderer Kantone mit der Idee ein katholisches Sanatorium im Hochgebirge zu gründen.  „Es sei ein katholisches Lun­gensanatorium zu gründen, weil in den allgemeinen Sanatorien die Seelsorge nicht genüge, und zwar im Hochgebirge wegen den günstigeren Bedingungen, und für unbemittelte Kreise.“ (Zitat aus der Gründerzeit). Bereits 1916 konnten in der Pension Albula 30 Betten gemietet werden. Am 15. November 1922 war die Eröffnung des Lungensanatoriums Sanitas in Davos. Das Hochgebirgsklima in Davos war damals schon als sehr heilwirkend bekannt, hier konnte der Tuberkulosebazillus nicht überleben. 

 

Die AKF-Frauen trafen auf der Schatzalp den Lokalhistoriker Klaus Bergamin. Er war 1954 selbst Tuberkulose-Patient im „Sanitas“. Über die Zeit von 1860 - 1950 hat K. Bergamin ein Buch verfasst, mit Bildern von den verschiedenen Sanatorien, Fotos von Objekten und von Akteuren aus dieser Zeit.  

Wer könnte uns also besser und lebendiger über die Geschichte der Tuberkulose und den Lungenkurort Davos erzählen? Die historischen Mauern, des im Jugendstil gebauten Luxussanatorium Schatzalp, hauchten seinen Geschichten Leben ein. So steht da u.a. immer noch das Waschbecken, wo man die Spucknäpfe mit einer Carbollösung ausgewaschen hat und noch fast im Originalzustand auch das Kaiserzimmer. Ein wunderschönes Zimmer das Kaiser Wilhelm II für sich und seine Familie 10 Jahre lang mietete, falls jemand an Tuberkulose erkranken würde.

Staunend lauschten die AKF-Frauen den Erzählungen über Kurmethoden. Das A und O in Davos war die „Stille Liege“. Bis zu 6-7 Stunden am Tag, egal bei welchem Wetter und Temperaturen, mussten die Patienten auf den sogenannten Davoser-Liegen auf den Balkonen an der Freiluft liegen und sich mit der „Krankheit befassen“. Reden, schreiben und lesen war verboten. Thomas Mann schildert in seinem Roman „Zauberberg“ vieles, das auch für das Sanatorium Sanitas galt.

 

Im gediegenen Speisesaal vom Berghotel Schatzalp, bekamen die mitreisenden Frauen ein feines Zmittag und wurden weiter Unterhalten von den Geschichten und Anektoden von Klaus Bergamin. Nach dem Essen blieb kurz Zeit um durch die Gänge, Zimmer und Hallen des ehrwürdigen Hotels zu wandeln.

Die Schatzalpbahn brachte die Frauenschar wieder zur Promande von Davos.  Mit einem Spaziergang im strömenden Regen durch das englische Viertel, gelangen die AKF-Frauen zum einstigen Sanatorium Sanitas. Vom Regenrauschen waren die Stimmen etwas verstummt und in vielen Gesichtern stand Berührtheit. Wie viele kannten doch persönliche Geschichten, von der Grossmutter, Tante oder von den Eltern, die aus dem Aargau zum Kuren hierhin reisten. Heute ist aus dem Sanitas das Appartment-Haus Bellagio geworden.

 

Am 1.1.1990 wurde das Sanitas an die AG Sanatorium Davos (Niederländisches Asthmazentrum) für CHF 8 Mio. verkauft. Dem AKF wurde der damalige Gründungsbeitrag von CHF 64 947.60 und ein Sitz in einer neu zu gründenden Stiftung in Aussicht gestellt. Dank dem beharrlichen Einsatz von unseren Ehrenmitgliedern Caroline Meier-Machen und Elisabeth Sailer, dem ganzen damaligen Kantonalvorstand und dem Badener Anwalt Wendolin Stutz, gelang es dem AKF den gerechten Anteil am Verkaufserlös zu bekommen. Der erkämpfte Erlös wurde in einem gemeinnützigen AKF-Sanitas-Fonds angelegt. Dieser Fonds erlaubt es nun dem heutigen AKF, Frauen und Institutionen, die sich für das Wohl von Frauen und Familien einsetzen, jedes Jahr auszuzeichnen. Dieses Jahr ging der 20. AKF-Frauenpreis an die AKF-Frauen selber, für ihre engagierte, ehrenamtliche Mitarbeit im Frauenbund.


2 Cars fuhren die AKF-Schar wieder zurück nach Baden, mit einem Reise-Segen verabschiedeten sich die Co-Präsidentinnen und die Organisatorinnen. - Die Jubiläumsreise war ein wunderschönes Erlebnis. Das zeigen auch die vielen Rückmeldungen die zurzeit an die Geschäftsstelle gelangen und dem OK, der AKF-Sanitas-Kommission ihren grossen Dank aussprechen.

 

Text/Fotos Merice Rüfenacht

Foto der ganzen Gruppe: zVg. Vera Rüttimann

 

 


Römisch-Katholische Kirche im Aargau